Johanniskraut und Sommersonnenwende

Juni 2026

Das Erblühen der dichten gelben 5-strahligen Blüten des Johanniskrauts kündigen uns ein wichtiges Datum im Jahreslauf an, die Sommersonnenwende. An jedem 21. Juni feiern wir die Hoch-Zeit der Erde mit der Sonne (längster Tag und kürzeste Nacht). Die Sonne hat ihren höchsten Stand erreicht und diese Sonnenkraft speichert keine andere Pflanze so sehr wie das Johanniskraut in sich. Nicht umsonst gilt sie als das pflanzliche Mittel für depressive Verstimmungen. Mit dem Johanniskraut kehrt das Licht zurück in die dunkle Zeit.

Schon vor 450 Jahren wurde das Johanniskraut gegen Depressionen, Melancholie und Hysterie von Paracelsus (bedeutender Arzt und Naturforscher 1493 – 1541) verwendet, was aber in Vergessenheit geriet, bis die Schulmedizin in den 1970er Jahren die antidepressive Wirkung in medizinischen Studien nachwies. Seitdem ist Johanniskraut nicht nur als Stimmungsaufheller "im Einsatz", sondern auch das wichtigste pflanzliche Antidepressivum. 


Früher sprach man von Johanniskräutern. Das waren alle Kräuter, die um den Johannistag (Zeitraum zwischen dem 21. und 24. Juni) in voller Blüte standen, wie z. B. Schafgarbe, Arnika, Ringelblume und Margeriten. Farnkraut und Beifuß waren ebenfalls magisch mit diesem Lichtfest und dem germanischen Sonnengott Baldur verbunden. Man band die Johanniskräuter in sogenannten "Sonnenwendbuschen", die zum Schutz der Menschen vor Krankheit und ihrer Behausungen vor schlimmen Unwettern dienten. Man wand sie zu Kränzen, die die Frauen zum Sonnenwendfeuer im Haar trugen ... auch zum Räuchern wurden sie genutzt.

Tüpfel-Johanniskraut, Hartheu, Blutkraut, Hergottsblut, Jesuswundenkraut, Johannisblut, Johanniswurz, Teufelsflucht, Tausendlöchlekraut sind Namen, die der Volksmund für das Johanniskraut gefunden hat. In ihnen spiegelt sich meitens ein Verwendungszweck oder ein auffälliges Merkmal wider:  Die Öldrüsen in den Blüten, in denen das Hypericin die rote Farbe hervorruft, erinnert uns auch an die Farbe des Blutes, also an das Leben, an Vitalität und Lebenskraft. Es ist heute wissenschaftlich erwiesen, dass Hypericin unseren Zellstoffwechsel anregt und somit den kleinsten Teilen unseres Körpers Energie gibt. Wenn wir eine der gelben Blüten oder auch Knospen zwischen unseren Fingern reiben, färbt die rote Farbe deutlich ab, ein untrügliches Erkennungsmerkmal dafür, dass man das heilkräftige Johanniskraut gefunden hat.

Wenn man die Blätter des Hartheus durch das Licht ansieht, gewahrt man viele helle Punkte, das sind ebenfalls Öldrüsen wie in den Blüten auch. Der Volksmund sagt, dass die hellen Punkte in den Blättern daher rühren, dass der Teufel, erbost über die große Macht der Pflanze, alle ihre Blätter mit Nadeln durchstach - übrigens auch ein Verweis darauf, dass das Johanniskraut gegen Hieb- und Stichwunden hilft.

Zwei große Anwednungsbereiche des Johanniskrautes haben wir entdeckt:  als Nerven- und Wundheilmittel. Außerdem wird es bei geistiger Erschöpfung, Blutarmut und zur Rekonvaleszenz nach schweren Krankheiten empfohlen. Entsprechend lässt es sich in vielen Varianten zubereiten bzw. ausziehen.

Wer das Sonnenkraut einfach mal ausprobieren möchte, kocht sich am Abend einen Tee daraus: dieser hilft zur Beruhigung und zum besseren Einschlafen.

Das bekannteste Hausmittel, das uns das Johanniskraut schenkt, ist das sogenannte "Rotöl". Das ist eine Kombination aus dem klein geschnittenen oder gemörserten Johanniskraut mit einem fetten Öl der Wahl, ich bevorzuge ein gutes Olivenöl. 

Und das geht so:  Ein ausreichend großes Glas wird zu Dreiviertel mit den zerkleinerten Blüten (und ein paar Blätter dürfen auch dabei sein) befüllt. Mit dem Öl wird danach aufgegossen, so dass alles gut bedeckt ist und das Pflanzenmaterial gut schwimmen kann. In Richtung Öffnung darf gern noch etwas Platz bleiben, um den Ölauszug täglich gut schwenken zu können. Die Teile der frischen Heilpflanze saugen sich nach und nach voller Öl. Bis dahin ist das tägliche Schwenken wichtig, sonst kann es zur Schimmelbildung kommen.  Abgedeckt wird das Glas am besten mit einem Tuch, damit die Gärgase entweichen können.

Das Rotöl ist der einzige Ölauszug, das nur kalt ausgezogen werden kann und drei bis sechs Wochen an einem sonnigen Platz stehen muss, am besten sogar steht er richtig draußen in der Sonne. Nach wenigen Tagen färbt sich das Öl bereits rot, gut durchgezogen ist es nach vier bis sechs Wochen.

Danach wird es abgeseiht (gern Sieb plus Teefilter, oder ein Tuch) und in eine dunkle Flasche abgefüllt. Das Öl ist dunkel gelagert etwa solange haltbar, wie es auf der Flasche des verwendeten Öls angegeben ist. In meiner Erfahrung verhilft das Johanniskraut dem Öl zu einer längeren Haltbarkeit.

Rotöl hilft bei Sonnenbrand, leichten Verbrennungen, Wund- und Narbenbehandlung, Muskelschmerzen, Hautausschlägen, Schuppenflechte, Gürtelrose, auch zur Kräftigung der Venen und des Zahnfleisches. Alle Formen der Nervenbeeinträchtigungen wie Trigeminusneuralgie, Facialisparese oder restless legs laden zu einer begleitenden Behandlung mit dem roten Öl des Johanniskrauts ein.


Achtung!
Rotöl kann eine Lichtempfindlichkeit bewirken, also im Zusammenspiel mit direkter Sonneneinstrahlung zu Hautirritationen führen. Deswegen gilt: Wenn das Rotöl angewendet wurde, 12 Stunden nicht in die direkte Sonne gehen. Am besten ist also, es abends zu nutzen.
Außerdem für alle diejenigen, die einen Auszug des Johanniskrauts innerlich anwenden: es kann zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten führen. Deswegen ist ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt oder Heilpraktiker angeraten.

Wer mehr über das Johanniskraut erfahren möchte, wie es sich anwenden lässt und welche Auszüge sich damit selbst herstellen lassen, der komme gern in meinen Kurs
Johanniskräuter rund um die Sommersonnwende, den ich jährlich im Juni veranstalte.

 

Heilpflanzen wirken auf uns. Bitte sammelt nur, was ihr sicher erkennt und nähert euch den Anwendungen immer mit kleinen Mengen. Besonders Kleinkinder, Schwangere und ältere Herrschaften mögen dies beachten bzw. diejenigen, die sich um sie kümmern. Alle Angaben hier sind von mir nach bestem Wissen und Gewissen gemacht. Dennoch ersetzen sie nicht den Besuch beim Heilpraktiker oder Arzt.