Die Vielfalt des Lavendels

Mitte Juli 2025

Es ist Hochsommer und der Lavendel ist nun zur Ernte herangereift. Seine langen intensiv violett gefärbten Blütenstände tanzen im warmen Sommerwind und bieten zahlreichen Insekten Futter im Überfluss - Hummeln und Schmetterlinge lieben die betörend duftende Pflanze aus dem Mittelmeerraum.


In Südfrankreich wächst der wilde, der „echte“, Lavendel (Lavandula angustifolia) übrigens in den Bergen, ja bis zu 1.200 Metern hoch findet man ihn und es gilt: je höher, desto gehaltvoller. Die ausgedehnten Lavendelfelder, die wir von Bildern aus der Provence kennen, sind einer effektiveren maschinellen Ernte und einer ertragreicheren Lavendelkreuzung geschuldet: Lavandin wird diese Lavendelart genannt und dient eher im Bereich der Wasch- und Reinigungsmittel.

Ein guter Grund dafür ist die stark antibakterielle, antivirale und antimykotische (pilzwidrige) Wirkung des Lavendels, die dieser sich übrigens mit allen stark duftenden Kräutern teilt. Die französischen Adligen zu Zeiten des Sonnenkönigs verbrauchten tonnenweise Lavendel, weil sie das Waschen als unfein ansahen und ihre Körpergerüche dennoch übertünchen wollten … Die Römer haben in der vorchristlichen Zeit das Zusammenspiel von Lavendel und Wasser besser verstanden, denn sie gaben das aromatische Kraut ihren Bädern zu. Und so bekam der Lavendel (Lavandula) seinen Namen aus dem Lateinischen: „lavare“ bedeutet 'waschen'.


Was kann er nun für uns tun, die wir ihn ihn in unseren Gärten hegen und pflegen? In erster Linie beruhigt uns der Lavendel. Habt ihr schon mal einen Lavendeltee probiert? Ihr werdet vielleicht vom guten Geschmack überrascht sein. Bitte riecht vorher an der Blüte, reibt sie mal zwischen den Fingern, der Duft sollte euch gefallen, eher blumig und lieblich sein … Denn wie oben angedeutet, gibt es unterschiedliche Arten Lavendel und auch solche, die eher einen scharfen „Reinigungsgeruch“ (Lavandula latifolia oder Speiklavendel)  haben. Wenn ihr also einen wohlriechenden Lavendel im Garten entdeckt, dann gönnt euch doch mal ein Tässchen Lavendeltee am Abend. Dieser kann uns auf den Schlaf vorbereiten und uns auch nach einem stressigen Arbeitstag in unsere Mitte bringen, er hat eine emotional ausgleichende Wirkung. Getrocknete Lavendelblüten (etwa 1 TL auf eine größere Tasse Wasser) sind dafür genau so geeignet wie frische (etwas mehr dosieren). Wenn euch der Lavendeltee schmeckt und wohl tut, dann könnt ihr einfach einen Strauß sammeln, diesen zusammenbinden und an einen luftdurchlässigen schattigen Ort in eurem Haus aufhängen. So habt ihr Teematerial für die Winterzeit, wenn es draußen nix zu holen gibt.


Lavendel hilft außerdem bei Migräne (gern in Kombination mit Mutterkraut), Atemwegserkrankungen, Völlegefühl, bei der Wundheilung – insbesondere bei Verbrennungen - sowie rheumatischen Beschwerden und Verspannungen. Dafür kommen Auszüge mit Alkohol und auch mit Öl in Frage. Am besten geeignet ist für derlei Hausmittel der gerade erblühte Lavendel: die Blüten und es darf auch etwas vom Grün dabei sein.

Hildegard von Bingen, die große Kräuterkundige des 12. Jahrhunderts nutzte viel und gern Wein als Auszugsmittel und schrieb Folgendes: „Der wilde Lavendel ist warm und trocken, und seine Wärme ist gesund. Wer Lavendel mit Wein kocht, oder, wenn er keinen Wein hat, mit Honig und Wasser kocht und so lau und oft trinkt, der mildert den Schmerz in der Leber und in der Lunge“.

Zu guter Letzt sei dem leiblichen Wohle in Form von Speisen und Getränken gedacht. Lavendelzucker ist eine beliebte Zubereitung, eine Lavendel-Limo lässt sich leicht aus kaltem Lavendeltee, einer Zitronenscheibe und etwas Honig mischen, oder man bäckt mal ein paar Lavendelplätzchen. Hierfür gibt's auch gleich das Rezept und natürlich gilt: die Dosierung der Kräuter könnt ihr ganz nach eurem Geschmack verändern.


Lavendelplätzchen

  • 225g Mehl
  • 75g Zucker
  • 125 kalte Butter
  • 1 Eigelb
  • 1 Prise Salz
  • 1-2 EL Lavendel

Wer „mehr“ will, kann auch Rosmarin und Thymian ergänzen. Die Kräuter können frisch oder getrocknet sein. Alle Zutaten werden zu einem glatten Teig verknetet, dann kommt dieser etwa 1 h Stunde in den Kühlschrank. Danach werden Rollen geformt, Scheiben abgeschnitten und diese dann bei 180 Grad etwa zehn Minuten im Ofen gebacken.


Na dann, guten Hunger und gute Genesung!


Tipp!  Verblühter Lavendel ist immer noch sehr aromatisch und damit weiter nutzbar: für Wäschesäckchen oder als starker „Teeaufguss“, der dann ins Badewasser geschüttet wird …



Heilpflanzen wirken auf uns. Bitte sammelt nur, was ihr sicher erkennt und nähert euch den Anwendungen immer mit kleinen Mengen. Besonders Kleinkinder, Schwangere und ältere Herrschaften mögen dies beachten bzw. diejenigen, die sich um sie kümmern. Alle Angaben hier sind von mir nach bestem Wissen und Gewissen gemacht. Dennoch ersetzen sie nicht den Besuch beim Heilpraktiker oder Arzt.