Die Quitte bringt dich in deine Mitte

Gehört ihr auch zu den Menschen, die einen prachtvollen Quittenbaum im Garten oder in der Nachbarschaft haben und trotzdem jedes Jahr zur Quittenernte denken: „Was soll ich bloß mit dieser steinharten Frucht anfangen?“ Dann lest hier weiter und geht durch diese Tür hindurch. Dahinter warten viele überraschende Erkenntnisse auf euch!

Quitte

Die Quitte ist eine Frucht aus der alten Zeit, die aufgrund vieler tausender gezüchteter Obstsorten mit ihren heilenden Kräften und ihrem Wohlgeschmack in Vergessenheit geraten ist. Die wundervoll duftende Frucht wurde schon immer naturheilkundlich verwendet und ist der Göttin Aphrodite gewidmet – sie bringt uns also Wohlstand, Freude, Glück, Sinnlichkeit, Fruchtbarkeit, Schönheit und ... Gesundheit! So galt die Quitte im alten Griechenland als Lieblingsfrucht der Götter und wurde auf ihren Altären dargebracht. Die Römer brachten den Quittenbaum dann nach Mitteleuropa, wo er in warmen Gegenden gut gedeiht, weil er weitgehend winterhart ist. Hildegard von Bingen (12. Jahrhundert) empfahl die Quitte für Kranke und Gesunde. Speisen aus Quitte sollen gegen Gicht helfen; äußerlich empfahl sie die Quitte zur Behandlung von Geschwüren.

Nun haben wir schon eine Idee von der Quitte … sie unterstützt das Verdauungssystem und ist bestens geeignet für diejenigen, denen stets "etwas auf den Magen schlägt". Die Quitte ist eine magenschonende Frucht, das bedeutet: sie wirkt regulierend (beruhigend oder anregend) auf den Magen und wirkt stark entzündungshemmend bei Magenschleimhautentzündungen. Genauso wirkt sie auf den gesamten Darm: sie reguliert das Mikrobiom, das sind die Bakterien im Darm, die im rechten Maß zu unserer Gesundheit beitragen – manche nennen den Darm unser zweites Gehirn, ein Großteil unserer Gesundheit geht von ihm aus. Und auch im Darm wirkt die Quitte stark entzündungshemmend und kann demzufolge bei den heute weit verbreiteten chronischen Darmentzündungen Linderung bringen. Als wäre das nicht schon genug an Verdauungshilfen, bindet die Quitte auch noch Giftstoffe (insbesondere Schwermetalle) im Darm. Das ist ihrem hohen Pektingehalt zu verdanken. Das meiste Pektin befindet sich übrigens im Kerngehäuse und in der Schale, also verarbeitet diese Fruchtteile nach Möglichkeit immer mit! 

Quittensaft

Bei der Gelegenheit sei gleich erwähnt, dass die Quitte äußerst kalorienarm ist: 100 g Quitten enthalten nur 40 kcal, im Vergleich dazu Äpfel 52 und Bananen 95. Und, Quitten können nicht überdosiert werden und sind für jeden gut, Männer, Frauen und Kinder! Probiert ruhig mal aus, von einer schönen wohlriechenden reifen Quitte mal ein dünnes Scheibchen ab zu schneiden und es roh zu essen. Manchmal erfährt man so die ganze Palette an Aromen, manchmal ist es aber auch viel zu sauer :-)


Wie lässt sich die Quitte nun in der Küche verwandeln, so dass wir unserem Verdauungsapparat etwas Gutes tun können? Ich liebe seit vielen Jahren das Apfel-Quitten-Mus. Dafür werden Apfel und Quitte zu gleichen Teilen in Wasser, Orangensaft und Zitronensaft und einem Süßungsmittel der Wahl (Rohrohrzucker, Honig, Dattelsirup, Agavendicksaft o.ä.) gekocht, dann durch die Flotte Lotte passiert und abgekühlt mit einem Klecks Schlagsahne als Dessert angerichtet. Man könnte dieses Mus natürlich auch für die Zeit der Quittenmonate Oktober und November mal - ohne Sahne - jeden Tag als Frühstück mit ein paar Haferflocken, Hirse o. ä. verspeisen und würde seinem Darm so eine Kur schenken.


Quittengelee kennt ihr sicher. Und wie wäre das: einfach mal Quitten dünn schneiden und in der Pfanne mit etwas karamellisierendem Zucker anbraten, Quittenhälften mit Honig bestreichen und im Ofen backen, Quitten in der Kürbissuppe mitkochen oder auf den Flammkuchen legen, in Ofengemüsemischungen macht sich die Quitte auch sehr gut. Und nicht zu vergessen: der wohl schmeckende Quittensaft. Mein Lieblingsrezept geht so ...

Quittensaft

Quitten-Rosmarin-Saft 

(nach Christel Ströbel)

3 kg Quitten komplett, 4 l Wasser, 1 Bund Rosmarin (möglichst frisch)

Ihr bedeckt die klein geschnittenen oder geraspelten Quittenstücke mit dem Wasser und bringt das Ganze zum Kochen, 30 min soll es leicht vor sich hin köcheln. Währenddessen werden die Rosmarinnadeln vom Stiel gelöst und wenn die 30 min um sind, bedeckt ihr die Nadeln mit einem Teil des bereits gekochten Quittensafts und zerkleinert sie in einem Mixer. Der so entstandene Sud (Schaum ergibt sich aus den ätherischen Ölen des Rosmarins) wird zu dem Saftansatz im Topf hinzugegeben und gut verrührt. Nun ruht alles über Nacht. Am nächsten Tag erneut aufkochen, abfiltern (am besten durch ein Baumwolltuch) und noch heiß in gereinigte Flaschen abfüllen. Das ergibt dann eine Haltbarkeit von wenigstens 1 Jahr bei Zimmertemperatur. Vermutlich wird der Saft aber nicht so lange halten, denn neben seinen gesunden Aspekten schmeckt er auch angenehm säuerlich-frisch-vollmundig: Die Quitte bringt dich in deine Mitte und der Rosmarin hellt die Stimmung auf!

Der Saft wirkt immunstärkend in der Erkältungszeit, anregend und zellregenerierend, lindernd bei Rheuma und Gicht und außerdem entsäuert er den Körper. Damit ließe sich auch eine Kur machen: für 4 Wochen tgl. 100 bis 200 ml pur oder mit Wasser verdünnt über den Tag verteilt trinken. Mit dem Trester könnt ihr ein köstliches Quittenbrot zubereiten, indem ihr die Frucht-Rosmarin-Masse einfach mit etwas Zitronensaft und Honig nach Geschmack nochmals aufkocht, dann auf ein Backblech streicht und langsam bei kleiner Temperatur im Backofen trocknet (Holzlöffel in der Tür).

Quittenbalsam

Ich könnte noch viele Seiten füllen über die Schönheit und Wirksamkeit der Quitte, möchte allerdings hier nur noch ihre unterstützenden Eigenschaften auf die Haut erwähnen. Ihr erinnert euch an die Frucht der Aphrodite – der Schönheitsgöttin? Die Quitte wirkt feuchtigkeitsspendend, mildert Fältchen und verbessert die Hautelastizität. Sie macht uns schön und gleichzeitig froh mit ihrem betörend aromatischem Duft. Die Quitte ist ganz generell für hautempfindliche Menschen empfohlen, und auch für diejenigen mit ernsten Hautproblemen wie Neurodermitis, Schuppenflechte und anderen Ekzemen. Die Quitte ist so sanft, dass sie auch zur Babypflege wunderbar eingesetzt werden kann.

Quitten-Plegeöl

Eine ganz einfache Variante, sich ein Pflegeöl herzustellen, geht so: Ihr schneidet eine komplette Quitte in Stücke, gebt sie in einen kleinen Topf, bedeckt sie – so dass alles gut schwimmen kann – mit einem möglichst duftfreien Öl (ich nehme Mandelöl) und erwärmt das Ganze auf niedriger Stufe, bis das Öl leicht von unten aufwallt. Dann dreht ihr den Herd ab und lasst den Topf darauf stehen. Nach etwa sechs Stunden wiederholt ihr den Prozess; insgesamt macht ihr das vier mal. Ihr könnt dafür auch gern immer die Restwärme vom Kochen nutzen. Bitte deckt den Topf mit einem Tuch ab, damit keine Verunreinigungen hineingelangen und erwärmt das Öl nicht so weit, dass die Quitte frittiert wird. 

Wenn der Auszug abgeschlossen ist, seiht ihr das Öl durch ein möglichst feines Sieb ab. Ich nutze dafür ein Sieb und lege zusätzlich einen Papierfilter hinein. Lasst nur durch das Sieb laufen, was von allein hindurchläuft, und presst nicht das Fruchtmaterial aus (Schwebstoffe). Gebt das durchgelaufene Öl in ein sauberes Glas oder sogar eine Sprayflasche. Nun habt ihr ein herrlich zart duftendes Quitten-Öl für eure tägliche Hautpflege.

Quitten Pflegeöl

 

Vielleicht habe ich euch die Tür zur Quitte einen Spalt weit geöffnet? Das würde mich sehr freuen!